10.04.17 Überraschung

Manchmal reicht eine ganz bestimmte Berührung, ein Klang oder ein seltsamer Duft und das Gehirn packt fast verloren geglaubte Eindrücke aus, als wären es vergessene Geschenke unterm Weihnachtsbaum. Und dann zeigen sich farbenfrohe Erinnerungen, so klar und pur, als würde man sich ein altes Fotoalbum anschauen.

So in etwa ist es mir vor ein paar Tagen gegangen, als ich zum ersten Mal wieder ein Akkordeon in die Hand genommen habe. Die Aufregung, bis meine Mama zum ersten Mal mit meinem nagelneuen, rot-marmorierten Akkordeon nach Hause kommen würde; der Duft der Lederriemen; das Klappern der Tasten oder das Atmen des Balges; die Autofahrten in die Musikschule; der ungeliebte Kampf mit den Noten; das ‚last-minute-üben‘ kurz vor der Unterrichtsstunde; das gemeinsame Musizieren mit den anderen Kindern; die ersten Klassenabende; der erste Applaus.

Alles wieder da. Überwältigend. Darauf war ich nicht vorbereitet.

Ich hatte gehofft, dass es sich gut, vielleicht sogar vertraut anfühlen würde. Ich hatte gehofft, dass ich instinktiv noch weiß, wie man Musik aus so einem Ding rausholt. Aber ich hätte nie im Leben daran gedacht, wieviele Erinnerungsfetzen und Gefühle, wieviel Kindheit und Leben an so einem Instrument hängen können. Hätte ich es gewusst, hätte ich bestimmt nicht 17 Jahre damit gewartet, mir wieder eines anzuschaffen.

Gut, ich gebe zu, als Teenager hab ich eine gewisse Hassliebe zu diesem Musikinstrument entwickelt. Ich war faul beim Üben und trotzdem musikalisch ehrgeizig. Ich hab viel lieber Stunden am Klavier meiner Schwester herumgeklimpert, als meine Hausübungen für die Musikschule zu machen. Und naja, was soll ich sagen, als Jugendliche kommt dir Akkordeon halt leider nicht so cool vor wie Gitarre oder Schlagzeug. Oder Singen. Diese Summe an Widrigkeiten hat irgendwann dazu geführt, dass ich es verkaufen wollte, um mir von dem Geld meinen Führerschein zu bezahlen.

Je mehr Jahre vergangen sind, desto öfter haben sich Erinnerungen, Neugierde und Sehnsucht vermischt und der Gedanke ist weitergegoren, zu meinen musikalischen Wurzeln zurückkehren zu wollen.

Vielleicht nur als Hobby. Vielleicht aber auch für mehr.
Lasst euch überraschen!